Freinsheimer Hof in Freinsheim

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Freinsheimer Hof in Freinsheim

Norddeutsche Kochlust in der Pfalz

Wie er da so sitzt, in der weißen Kochjacke, so entspannt in dem leicht mediterranen Hof, nachts um halb
zwölf im Gespräch mit uns, mit norddeutschem Akzent in der Pfalz – ja, das ist der Holger, den ich von früher
kenne. In der Anfangsphase von Johann Lafers Fernsehkarriere leitete er Lafers Kochschule und sein Fernseh-
studio. Er wirkt wie damals: schnörkellos, perfektionistisch, detailverliebt – er ist nur ein wenig älter geworden.
Bis ins Kleinste erklärt er mir, wie man einen Tintenfisch so behandelt, dass man ein hauchdünnes Carpaccio daraus schneiden kann. Norddeutsche Begeisterung strahlt dabei aus seinen Augen. Hier in Freinsheim hat er wohl seinen Platz gefunden. Rund 250 Jahre alt sind die Gebäude: Die Familie Langenwalter-Gauglitz vom benachbarten Weingut und die Pfälzer Familie Stier restaurierten aufwändig das verwohnte spätbarocke Anwesen. Holger Jacobs hat es im Jahr 2000 übernommen und zu einem kulinarischen Kleinod belebt. Natürlich ist die Küchencrew „Sterne erfahren“ – gekocht wird aber nicht „Sterne orientiert“. Sie haben sich spezialisiert in der Küche: Ulf Mewes ist verantwortlich für Beilagen, Terrinen, Gemüse und Nudeln – natürlich alles selbstgemacht, Axel Brand ist Experte für die kalte Küche und Desserts, Holger Jacobs kümmert sich persönlich um Fisch, Fleisch und Suppen. Das kulinarische Trio hat in den besten Häusern gearbeitet: im Waldhotel Sonnora, im Deidesheimer Hof, im Nassauer Hof, auf der Stromburg.

Wenn so fein aufgetischt wird – ist das noch ein Landgasthof? Nun, nicht nur Bratkartoffeln sind ein Synonym für eine ländliche Küche. Für mich bedeutet „Landgasthof“ ein kulinarischer Ort, an dem ich mich wohlfühle und ehrlich genießen kann, ohne einen Kleinkredit aufnehmen zu müssen – dies trifft auf den Freinsheimer Hof uneingeschränkt zu. Die Atmosphäre ist entspannt, familiär. Sigrid Bloh und Monika Lup pflegen einen unaufdringlichen, nahezu freundschaftlichen Servicestil. Mit sicherer Hand empfehlen sie die passenden Gewächse der ausgezeichneten Weinkarte, die natürlich auf Pfälzer Weine spezialisiert ist, aber auch andere Regionen und Länder nicht vernachlässigt. 20 Weine werden offen ausgeschenkt – aber wer ein Glas eines Flaschenweines trinken möchte, bekommt die Flasche geöffnet. Kinder erwartet ein besonderes Angebot: Holger Jacobs, selbst Vater zweier Töchter, veranstaltet in seiner Küche Kochkurse für Kinder. Auch die Eltern profitieren von diesen Küchenpartys: sie genießen das Ergebnis.

Frische Waren kauft der Freinsheimer Hof soweit möglich in der Region ein – wie es sich für einen Landgasthof gehört. Der Bremerhavener engagiert sich zusammen mit neun anderen Pfälzer Köchen, einem Konditor und einem Essigwinzer in der „Kurpfälzer Landpartie“. Mit Kochevents zeigen sie die kulinarischen Schönheiten der Kurpfalz.

Der Freinsheimer Hof scheint mir ein Landgasthof im besten Sinne zu sein: Ambiente und Küche gradlinig wie der Patron, ein hoher Wohlfühlfaktor gepaart mit ausgezeichneter Küchenleistung.

Meine Testnotizen

Eigentlich haben wir den Landgasthöfen ein Preislimit von 35 € für ein Dreigangmenü gesetzt, aber dem „6 x 6″-Menü der kleinen Köstlichkeiten kann ich leider nicht widerstehen – und sechs Gänge für 36 € entsprechen einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Es gibt sogar einen Gruß aus der Küche dazu – natürlich gebratener Saumagen, hier mit leckeren Portweinschalotten. Die eigentliche Vorspeise ist schon ein optisches Kunstwerk: ein hauchdünn geschnittenes Carpaccio vom Oktopus mit Limonenfilets und Peperoniöl stellt mich optisch und geschmacklich restlos zufrieden. Dazu trinke ich den empfohlenen 2004er Weißburgunder vom Weingut Wehrheim, Siebeldingen – passt perfekt. Es folgt eine leckere Pfifferlingssuppe mit knackigen kleinen Pilzen, die so erdig schmeckt, wie ich es mir von einer Pilzsuppe wünsche. Zum Risotto mit Radicchio, Parmesan und gebratenem grünen Spargel wechsele ich zu einem 2005er Sauvignon Blanc vom Weingut Reichsrat von Buhl, der mit seinen grasigen Aromen ebenfalls gut passt.

Zum geschmorten Rehragout mit Pfifferlingen und Serviettenknödeln genieße ich einen ausgezeichneten Spätburgunder vom Weingut Rebholz, und restlos überzeugt mich das Küchenteam mit den Pfälzer Beeren mit Holunderblütenparfait. Wie oft bekomme ich Beeren vorgesetzt, die nach langer Konservierung an ein „matschiges Etwas“ erinnern. Hier aber habe ich Walderdbeeren mit intensivem Aroma und reife Stachelbeeren genossen, wie ich sie seit meiner Kindheit nicht mehr probiert habe. Ach ja, zum Schluss kam noch der 6. Gang: gratinierter Ziegenkäse – kann ich nur uneingeschränkt empfehlen.

Kerstin: Mein Erlebnis

Schon das Ankommen ist ein kulturelles Erlebnis: Entlang der wunderschön restaurierten historischen Stadtmauer geht’s mitten hinein in den mittelalterlichen Stadtkern von Freinsheim. Bevor ich durch das große Holztor den spätbarocken Winzerhof betrete, kann ich schon mal einen Blick durch die Küchenfenster werfen und eine erste Nase voll köstlicher Düfte schnuppern. Der Innenhof ist dann erst einmal etwas fürs Auge: alte Sandsteinmauern mit frischem weißem Anstrich, ein Laubengang auf der Hotelseite und viele große Kübelpflanzen vermitteln mediterrane Urlaubsstimmung. Der große Hof ist der perfekte Rahmen für eine warme pfälzische Sommernacht, vor allem für leicht fröstelnde Damen wie mich: Bis Mitternacht bleibt die Luft zwischen den hohen Mauern angenehm mild, kein kühler Zug stört die Genüsse. Die Leckereien schmecken auch im Restaurant, dem ehemaligen Pferdestall, der stilvoll und dezent mit hellen Farben und Naturmaterialien renoviert wurde und in seiner Schlichtheit sehr elegant wirkt. Aber wenn das Wetter es zulässt, dann muss man einfach im Hof sitzen – sollte ein plötzlicher Schauer das Vergnügen zu trüben drohen, kein Problem: Für jeden, der im Hof einen Tisch bestellt, wird auch im Restaurant ein Tisch reserviert, für alle Fälle. Der Freinsheimer Hof ist mit seinen gehobenen Preisen sicher ein Landgasthof für den etwas höheren Anspruch oder den feineren Anlass, aber die Qualität der Speisen und Weine ist den Preisen mehr als angemessen. Die Köstlichkeiten und das gepflegte, geschmackvolle Ambiente dürfen durchaus als etwas Besonderes in Erinnerung bleiben.

Ausflugstipp – Das Rothenburg der Pfalz

Die Freinsheimer Altstadt mit ihrer vollständig erhaltenen Stadtmauer aus dem 15. Jh. ist sicher einmalig in der Pfalz. Die lebendige Altstadt mit vielen Restaurants wird zu Recht das „Rothenburg der Pfalz“ genannt. Erstmalig 774 erwähnt wurde die Stadt im Dreißigjährigem Krieg und 1689 im Pfälzer Erbfolgekrieg zerstört, aber 1700 im einheitlichen Stil wieder aufgebaut. Empfehlenswert sind die Rundgänge an der inneren und äußeren, 1,3 Kilometer langen Stadtmauer. Der romantische Spazierweg an der inneren Seite führt an efeubewachsenen Mauern entlang, die an manchen Stellen nur einen 70 Zentimeter breiten Durchlass gewähren. Acht Wehrtürme sind sichtbar, manche sind als Ferienwohnungen oder für Feiern zu mieten. Der „Diebs-Turm“ wird gerne an Jungvermählte vermietet, was die Bevölkerung mit dem Namen „Liebesturm“ quittiert.

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